„Eine Lupe für 9,90 Euro war unsere einzige Zusatzinvestition“

Essen.Inklusive.Arbeit schreibt erstaunliche Erfolgsgeschichten: Dass ein Mensch mit nur 10-Prozentiger Sehkraft einen Job als gelernter Bürokaufmann ohne Spezialtastaturen und überdimensionale Bildschirme ausüben kann, ist sicherlich für die meisten Menschen nur schwer vorstellbar.

Genau das tut Michael Gardyan jedoch täglich seit April 2016. Der junge Mann ist für den Wareneinkauf und –eingang beim Gesundheitsdienstleister Luttermann verantwortlich. Und das ohne spezielle Hilfsmittel, wie auch Karsten Werner, Abteilungsleiter bei Luttermann, bestätigt: „Tatsächlich haben wir eine Lupe für ganze 9,90 Euro anschaffen müssen. Diese benötigt Herr Gardyan manchmal für Briefe.“

Vorbehalte hatte Werner nur wenige, als er Michael Gardyan zunächst für ein Praktikum einstellte. „Wir arbeiten schon lange und erfolgreich mit dem Franz Sales Haus zusammen und haben schon viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einer Schwerbehinderung eingestellt. Natürlich muss man je nach Art der Behinderung erst einmal schauen, ob wirklich alles passt. Nicht jeder ist für jede Stelle geeignet, aber das gilt natürlich für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.“

Bevor Michael Gardyan über das Projekt vermittelt wurde, schrieb er 250 Bewerbungen, hatte gerade einmal zwei Vorstellungsgespräche in knapp sechs Jahren Arbeitslosigkeit. Dass seine Beeinträchtigung der Grund dafür ist, steht für ihn außer Frage. „Es ist schon auffällig, wenn jemand so viele Absagen trotz erforderter Qualifizierung erhält.“

Das Projekt „Essen.Inklusive.Arbeit“ will weiter dazu beitragen, dass sich in den Köpfen der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber  etwas bewegt. Um über dieses Thema aufzuklären wurde Ende Oktober eine große Kommunikationskampagne gestartet. Teil dieser Kampagne sind auch Erfolgsstories, wie die von Michael Gardyan. 52 Personen konnten bereits erfolgreich vermittelt werden.

Über das Projekt: Das Projekt des JobCenter Essen in Kooperation mit dem Franz Sales Haus und der Agentur für Arbeit Essen steht seit 2015 im Zeichen der Vermittlung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit Behinderung. Hierzu läuft im Monat November eine Kommunikationskampagne, die die Aufklärung von potentiellen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern forcieren soll.