Inklusion ist eine Selbstverständlichkeit – Betriebsbesuch bei A. Sutter Dialogservices GmbH

Seit Januar 2015 läuft „Essen.Inklusive.Arbeit“, ein gemeinsames Projekt des JobCenter Essen, der Agentur für Arbeit Essen und des Franz Sales Hauses zur Integration von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt. Ein Ziel: Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber überzeugen, auch Menschen mit einem vermeintlichen Handicap eine Chance zu geben.

Ein Vorreiter ist hier das Unternehmen Sutter Dialog Services GmbH. Das Unternehmen ist Dienstleister für komplexe Call-Center-Projekte mit Expertise im Bereich Messe-Services, Banken- und IT-Services und 24-Stunden-Services, beispielsweise in Form von Krisenhotlines.

Aus dem Projekt Essen.Inklusive.Arbeit übernahm das Unternehmen Marlén Zyla. Die an der Glasknochenkrankheit erkrankte 28-Jährige ist in der Email-Bearbeitung tätig. „Da Frau Zyla an den Rollstuhl gebunden ist und nicht täglich ins Unternehmen kommen kann, haben wir ihr flexible Arbeitszeiten und Homeoffice eingeräumt“, sagt Geschäftsführer Achim Herbst.

Sutter Dialog Services beschäftigt derzeit neben Zyla noch sechs weitere Menschen mit Schwerbehinderung. Ein weiterer ist Martin Lorrek. Der gelernte Fachinformatiker ist bereits seit 2006 im Unternehmen und mittlerweile Teamleiter IT-Services. Lorrek verunfallte in jungen Jahren schwer, verlor ein Bein und einen Teil eines Unterarms. Im Kollegenkreis wurde Lorrek gut und „ganz normal“ aufgenommen. Mit Samthandschuhen fasse ihn hier niemand an. Als Martin Lorrek 2006 arbeitsuchend war, fiel ihm jedoch auf, dass die Resonanz auf seine Bewerbungen, trotz sehr guter Vita verhalten ausfiel. Zwar gab es keine offen ausgesprochenen Vorbehalte, aber: „Die Hürde, zu einem Vorstellungsgespräch als Mensch mit Behinderung eingeladen zu werden, erscheint mir sehr hoch. Anonymisierte Bewerbungen könnten das verbessern.“

Marlén Zyla hingegen bekam während der Jobsuche mitunter schroffe Kommentare ab: „ Ein Arbeitgeber sagte zu mir tatsächlich: „Wenn Ihnen ein Aktenordner auf den Kopf fällt, ist das für Sie vielleicht lebensgefährlich.“

„Wir haben insgesamt mit der Einstellung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr positive Erfahrungen gemacht. Wir haben, gerade mit Blick auf die Call-Center-Branche, eine sehr geringe Personalfluktuation. Wenn wir auf diese sieben Kolleginnen und Kollegen blicken, gab es in den letzten Jahren gar keine Bewegung. Tatsächlich ist es so, dass die sieben weniger Krankheitstage haben, als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ohne Behinderung.“ Das Vorurteil, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Behinderung häufiger krank seien, kann Achim Herbst also nicht bestätigen.

Seine Erfahrungen möchte Achim Herbst am 27. November gerne persönlich weitergeben. Dann findet ab 15.30 Uhr im Hotel Franz ein großer Info-Nachmittag für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber statt.

Das Projekt des JobCenters Essen in Kooperation mit dem Franz Sales Haus und der Agentur für Arbeit Essen steht seit 2015 im Zeichen der Vermittlung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit Behinderung. Hierzu läuft im Monat November eine Kommunikationskampagne, die die Aufklärung von potentiellen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern forcieren soll.

Alle Infos zur Kampagne finden Sie auch hier: www.esseninklusivearbeit.ruhr

Bildzeile: v.l., Martin Lorrek, Teamleiter IT Services; Achim Herbst, Geschäftsführer

Foto: schüngelschwarz – Agentur für Kommunikation