Ein Team trotzt dem Krebs: Betriebsbesuch beim Malerbetrieb Thom

Seit Januar 2015 läuft „Essen.Inklusive.Arbeit“, ein gemeinsames Projekt vom JobCenter Essen, der Agentur für Arbeit und dem Franz Sales Haus zur Integration von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt. Ein Ziel: Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber überzeugen, auch Menschen mit einem vermeintlichen Handicap eine Chance zu geben. Bei Malerbetriebsinhaber Sven Thom hat es funktioniert: „Auch wenn ich zunächst einige Bedenken hatte. Mittlerweile bin ich zu 100 Prozent von dem Projekt überzeugt.“
2016 übernahm der Unternehmer mit Conny W. und Manuel B. gleich zwei Menschen mit Behinderung in ein festes Arbeitsverhältnis. Beide waren ihm im Rahmen des Projekts „Essen.Inklusive.Arbeit“ vom Franz Sales Haus vorgeschlagen worden. Nach überstandenen Krebserkrankungen hatten Conny W. und Manuel B. beide einen Behinderungsgrad von 50 Prozent
und waren schon länger arbeitssuchend. „Zunächst schwirrte mir auch im Kopf herum, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung viel zu oft krank sind und eine Sonderbehandlung
brauchen“, gibt Sven Thom offen zu. „Mein Arbeitgeberbetreuer vom Franz Sales Haus konnte allerdings alle Befürchtungen und Vorurteile aus dem Weg räumen.“
Kurios: Thom selbst war 2013 an Hautkrebs erkrankt. Nachdem er den Krebs besiegt hatte, wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit. Das Angebot des behandelnden Arztes, einen Behinderungsgrad zu beantragen, lehnte der Maler ab. „Für mich war ein Behinderungsgrad damals ein Riesenproblem, ich wollte selbst nicht dieses Stigma mit mir herumtragen“, so Sven Thom. Heute ist ihm klar: Ein Behindertenstatus sagt nichts über die Leistungsfähigkeit aus. Das merkt er zum einen an sich selbst, denn sein Unternehmen wächst seit der Gründung im Jahr
2014 kontinuierlich. Und er merkt es an Conny W., die als gelernte Bürokauffrau mittlerweile die Buchhaltung managt, und auch an Manuel B., der als Malergeselle bei den Kunden für den richtigen Anstrich sorgt. „Für mich spielt mein Behinderungsgrad im Berufsalltag ohnehin keinerlei Rolle mehr.
Unter den neuen Kollegen wurde ich aufgenommen, wie jeder andere auch“, sagt Malergeselle Manuel B..
Auch wenn sein Engagement bei „Essen.Inklusive.Arbeit“ mittlerweile für Sven Thom eine Herzensangelegenheit ist, so profitiert er auch von den wirtschaftlichen Vorteilen: „Natürlich ist es
immer schön, Menschen einen neuen Arbeitsplatz zu bieten, selbstverständlich sind die Förderungsmöglichkeiten für Angestellte mit Behinderung für ein junges Unternehmen wie meins
auch interessant.“
Seine Erfahrungen möchte Sven Thom am 27. November gerne persönlich weitergeben. Dann findet ab 15.30 Uhr im Hotel Franz ein großer Info‐Nachmittag für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber statt. Hier will sich Thom unter Gleichgesinnten austauschen, aber auch neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter gewinnen. „Ich kann nur jedem Unternehmen raten, sich diesem Thema zu öffnen und von den zahlreichen Vorteilen zu profitieren.“
Anmeldungen zu dem Event sind jederzeit online unter www.esseninklusivearbeit.ruhr möglich.

Das Projekt des JobCenters Essen in Kooperation mit dem Franz Sales Haus und der Agentur für Arbeit steht seit 2015 im Zeichen der Vermittlung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit Behinderung. Hierzu läuft im Monat November eine Kommunikationskampagne, die die Aufklärung von potentiellen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern forcieren soll.

Janina Sebrantke, Projektbüro Essen.Inklusive.Arbeit, Tel.: +49 201 749 23 24,
janina@schuengelschwarz.de

Bildzeile: Malermeister Sven Thom (3. v. links), mit Bürokraft Conny W. (4. v. links), Malergeselle Manuel B. (3. v. rechts), seinem Malerteam und seiner Familie
Foto: Gabriele Klaes, Zechenblüte